Das Interview von Ted Bundy
- Thu, Oct 13, 2011
- Course Specific Materials
Dies ist James C. Dobson's Interview mit Ted Bundy - 24 Stunden bevor er hingerichtet wurde.
JCD: Für die Aufnahme: sind Sie schuldig an der Ermordung vieler Frauen und junger Mädchen?
Ted: Ja, das stimmt.
JCD: Wie ist das alles passiert? Nehmen Sie mich doch zurück. Was ist vor all dem Schrecklichen passiert, das in der Öffentlichkeit bekannt ist, was ist hinter den Kulissen passiert? Sie sind in einem, wie Sie es bezeichnen, gesunden Zuhause aufgewachsen. Sie wurden niemals physisch, sexuell oder emotionell missbraucht.
Ted: Nein. Und das ist auch ein Teil dieser Tragödie. Ich wuchs in einem wundervollen Heim auf, mit hingegebenen und liebenden Eltern. Ich habe 4 Geschwister. Wir Kinder waren für unsere Eltern sehr wichtig. Wir gingen auch regelmäßig zur Kirche. Meine Eltern waren keine Spieler, Raucher oder Alkoholiker. Niemand wurde körperlich misshandelt oder geschlagen. Es war natürlich nicht perfekt, aber ich würde sagen, dass es ein gutes christliches Zuhause war. Ich hoffe, dass das niemand falsch versteht und missbraucht, um meiner Familie die Schuld zuzuschieben. Ich will Ihnen gerne alles so ehrlich, wie es mir möglich ist, zu erzählen.
Ich wuchs in einem wundervollen Heim auf, mit hingegebenen und
liebenden Eltern. Ich habe 4 Geschwister. Wir gingen auch
regelmäßig zur Kirche. Es war natürlich nicht perfekt,
aber ich würde sagen, dass es ein gutes christliches Zuhause
war.
Als Zwölfjähriger habe ich im örtlichen Laden zum ersten Mal Soft-Pornographie gesehen. Als junger Bursche haben wir uns in der Nachbarschaft herumgetrieben und auch mal im Müllcontainer gewühlt, um zu schauen, was die Nachbarn so wegwerfen. Und von von Zeit zu Zeit stolperten wir über härtere Pornohefte - mehr Bilder und auch Gewaltszenen. Die schlimmste Art von Pornographie - und ich spreche aus harter, realer, persönlicher Erfahrung - ist die, die Gewalt und sexuelle Gewalt beinhaltet. Die Vereinigung dieser beiden Kräfte - und ich weiß es zu gut - bringt Verhalten hervor, das zu schrecklich ist, um es in Worten zu beschreiben.
JCD: Erklären Sie mir das genauer. Was ging in Ihnen vor zu dieser Zeit?
Ted: Bevor wir fortfahren, möchte ich betonen, dass es mir wichtig ist, dass die Menschen glauben, was ich sage. Ich schiebe die Schuld nicht auf die Pornographie. Ich sage nicht, dass sie mich veranlasst hat, rauszugehen und gewisse Dinge zu tun. Ich nehme die volle Verantwortung auf mich für alle Sachen, die ich gemacht habe. Das steht hier nicht zur Diskussion. Es geht darum, wie diese Art von Literatur dazu beigetragen hat, diese Arten gewaltsamen Verhaltens zu prägen und formen.
JCD: Es schürte Ihre Fantasien.
Ted: Am Anfang schürt es den Denkprozess. Dann, zu einer bestimmten Zeit, hilft es mit, alles herauszukristallisieren, diesen Denkprozess beinahe zu einem selbständigen inneren Wesen zu machen.
JCD: Sei gingen in deinem eigenen Fantasieleben so weit wie sie nur konnten mit Drucksachen, Photos, Videos etc. und dann drängte es Sie, den Schritt zu einem körperlichen Erlebnis zu tun.
Wie in einer Sucht hörst du nicht auf,
dich nach noch etwas Härterem zu sehnen,
das dich noch mehr in Erregung versetzt,
bis du zu dem Punkt kommst,
wo nur noch die Pornographie so weit geht.
Ted: Wenn du einmal süchtig danach geworden bist - und ich sehe es als eine Suchtform an - dann suchst du nach wirksamere, detailliertere, anschaulichere Material. Wie in einer Sucht hörst du nicht auf, dich nach noch etwas Härterem zu sehnen, das dich noch mehr in Erregung versetzt, bis du zu dem Punkt kommst, wo nur noch die Pornographie so weit geht - und das ist der springende Punkt, wo du denkst, dass vielleicht es wirklich zu tun darüber hinaus geht, nur davon zu lesen und zu sehen.
JCD: Wie lange waren Sie an diesem Punkt, bevor Sie tatsächlich jemanden vergewaltigt hatten?
Ted: Einige Jahre. Ich hatte starke Hemmungen, kriminelles und gewalttätiges Verhalten auszuüben. Das war von meiner Nachbarschaft, meinem Umfeld, der Kirche und Schulen so in mich hineingelegt worden.
Ich wusste, dass es falsch war, darüber nachzudenken und es zu tun, war natürlich auch falsch. Ich war an einer Grenze angekommen und die letzten Reste von Beherrschung wurden ständig getestet und angegriffen durch mein Fantasieleben, das grösstenteils von der Pornographie angeheizt wurde.
JCD: Erinnern Sie sich, was Sie dazu gebracht hat, diese Grenze zu überschreiten? Erinnern Sie sich an die Entscheidung, es jetzt zu tun? Erinnern Sie sich, wo Sie sich entschieden haben, alle Vorsicht in den Wind zu schlagen?
Ted: Das ist sehr schwer zu beschreiben - diesen Punkt, wo ich fühlte, dass ich es nicht mehr kontrollieren konnte. Die Grenzen, die ich als Kind gelernt hatte, waren nicht stark genug, um mich davor zurückzuhalten, rauszugehen und jemanden anzugreifen.
JCD: Könnte es richtig sein, dies als sexuellen Rausch zu bezeichnen?
Ted: Das ist eine Möglichkeit, es zu beschreiben - ein Zwang, eine Anballung dieser zerstörerischen Energie. Eine andere Tatsache, die ich nicht erwähnt habe, ist der Gebrauch von Alkohol. In Verbindung mit der Aussetzung an Pornographie, reduzierte Alkohol meine Hemmungen und die Pornographie untergrub sie noch weiter.
JCD: Nachdem Sie Ihren ersten Mord begangen hatten, was bewirkte es in Ihren Emotionen? Was geschah in den Tagen danach?
Ted: Auch noch nach so vielen Jahren ist es schwierig, darüber zu sprechen. Es durch das Gespräch wieder zu erleben, ist gelinde gesagt schwierig, aber ich möchte, dass Sie verstehen, was geschah. Es war, wie wenn man aus einem schrecklichen Traum oder Trance erwacht. Ich kann es nur damit vergleichen (und ich möchte es nicht überdramatisieren), von etwas sehr Hässlichem und Fremden besetzt zu sein, und wenn du am nächsten Morgen erwachst und dich erinnerst, was passiert ist, dann weisst du, dass du in den Augen des Gesetzes und in den Augen Gottes verantwortlich dafür bist. Am Morgen zu erwachen und zu realisieren, was ich bei klarem Bewusstsein getan hatte, mit all meiner grundlegenden Moral und intaktem ethischen Empfinden, das erfüllte mich mit Abscheu.
JCD: Sie wussten vorher nicht, dass Sie dazu fähig wären?
Ted: Es gibt keine Möglichkeit, diesen brutalen Drang, dies zu tun, zu beschreiben. Und wenn er mal befriedigt oder verausgabt ist und dieses Energieniveau wieder sinkt, dann wurde ich wieder zu mir selbst. Im Grunde war ich eine normale Person.
Ich war eine normale Person.
Ich hatte gute Freunde.
Ich führte ein normales Leben,
abgesehen von diesem einzigen, kleinen,
aber sehr mächtigen und zerstörerischem Element,
das ich aber sehr geheim und ganz für mich behielt.
Ted: Ich war nicht so ein Typ, der in Bars herumhängt, oder ein Rumtreiber. Ich war nicht ein Perverser in dem Sinn, dass die Leute jemanden anschauen und sagen "ich weiss, dass mit dem was nicht stimmt". Ich war eine normale Person. Ich hatte gute Freunde. Ich führte ein normales Leben, abgesehen von diesem einzigen, kleinen, aber sehr mächtigen und zerstörerischem Element, das ich aber sehr geheim und ganz für mich behielt. Diejenigen von uns, die so sehr von Gewalt in den Medien, im Speziellen von Pornographie beeinflusst worden sind, sind nicht irgendwelche Monster von Geburt an. Wir sind eure Söhne und Ehemänner. Wir sind in normalen Familien aufgewachsen. Pornographie kann heutzutage ihren Arm ausstrecken und ein Kind aus irgend einem Haus erwischen. Sie erwischte mich in meinem Zuhause vor 20 oder 30 Jahren. So gewissenhaft meine Eltern auch waren - und sie waren gewissenhaft darin, ihre Kinder zu schützen - und so ein gutes christliches Zuhause, das wir auch hatten, es gibt keinen Schutz gegen die Einflüsse, die in einer Gesellschaft freigesetzt sind, die alles toleriert...
JCD: Ausserhalb dieser Mauern sind mehrere hundert Reporter, die mit Ihnen sprechen wollten, und Sie baten mich zu kommen, weil Sie etwas aussprechen wollten. Sie spüren, dass harte Pornographie und die Tür dazu, die Soft-Pornographie, unermesslichen Schaden anrichten bei anderen Menschen und dazu führt, dass andere Frauen missbraucht und getötet werden, wie es bei Ihnen geschah.
Ted: Ich bin kein Sozialwissenschaftler und ich gebe nicht vor zu glauben, was John Q. Citizens darüber denkt, aber ich habe nun für eine lange Zeit in einem Gefängnis gelebt und ich traf eine Menge Männer, die dazu verleitet wurden, Gewalt anzuwenden. Ohne Ausnahme war jeder von ihnen tief in Pornographie verstrickt - im Innern aufgezehrt durch die Sucht. Sogar die Studie vom FBI über wiederholte Tötungsdelikte zeigt auf, dass der weitaus grösste Anteil der Serienmörder Pornographen sind. Es ist wahr.
Ich habe nun für eine lange Zeit in einem Gefängnis gelebt
und ich traf eine Menge Männer,
die dazu verleitet wurden, Gewalt anzuwenden.
Ohne Ausnahme war jeder von ihnen tief in Pornographie verstrickt -
im Innern aufgezehrt durch die Sucht.
JCD: Wie wäre wohl Ihr Leben gewesen ohne diese Beeinflussung?
Ted: Ich weiss, es wäre viel besser gewesen, nicht nur für mich, sondern auch für viele andere Menschen - Opfer und Familien. Es steht ausser Frage, dass es ein besseres Leben gewesen wäre. Ich bin absolut überzeugt, dass es nicht diese Art von Gewalt hervorgebracht hätte.
JCD: Wenn ich berechtigt wäre, diese Art von Fragen zu stellen, die sich die Leute stellen, dann wäre eine davon "Denken Sie über all diese Opfer und Familien nach, die so sehr verletzt wurden? Auch Jahre später sind ihre Leben nicht normal. Sie werden nie mehr normal sein. Haben Sie Gewissensbisse?"
Ted: Ich weiss, die Leute werden mich verurteilen, egoistisch zu sein, aber durch Gottes Hilfe konnte ich - viel zu spät - zu dem Punkt kommen, wo ich die Verletzungen und den Schmerz, für die ich verantwortlich bin, fühlen kann. Ja, tatsächlich! In den letzten Tagen haben ich und eine Anzahl von Untersuchungsbeamten über ungelöste Fälle gesprochen - Morde, in die ich verwickelt war. Es ist hart, über all dies Jahre später zu sprechen, weil es all die schrecklichen Gefühle und Gedanken wieder belebt, die ich standhaft und unablässig verarbeitet habe - ich denke, erfolgreich. Das Abgeschlossene wurde wieder geöffnet und ich spürte den Schmerz und den Gräuel davon.
Da sind diese, die draussen frei herumlaufen
in ihren Städten und Gemeinden,
solche wie ich, deren gefährlichen Dränge
Tag für Tag durch die vielfältige - und
im besonderen sexuelle - Gewalt
in den Medien genährt werden.
Ich hoffe, dass diese, denen ich so viel Leid zugefügt habe - auch wenn sie mir meinen Ausdruck der Reue nicht glauben - dass sie glauben, was ich nun sagen werde. Da sind diese, die draussen frei herumlaufen in ihren Städten und Gemeinden, solche wie ich, deren gefährlichen Dränge Tag für Tag durch die vielfältige - und im besonderen sexuelle - Gewalt in den Medien genährt werden. Es erschreckt mich, wenn ich sehe, was man im Kabelfernsehen alles sieht. Manche Gewaltszenen in den Filmen, die heutzutage in den Haushalten ausgestrahlt werden, hätte man vor 30 Jahren nicht einmal in nicht jugendfreien Kinos gezeigt.
JCD: The slasher movies?
Ted: Das ist die einprägendste Gewalt auf dem Bildschrim, vor allem, wenn Kinder unbeaufsichtigt sind oder sich nicht bewusst sind, dass auch sie ein Ted Bundy sein könnten; dass sie eine Veranlagung zu diesem Verhalten haben könnten.
JCD: Eine der letzten Morde, den Sie begangen haben, war die 12jährige Kimberley Leach. Ich denke, die öffentliche Entrüstung ist hier grösser, weil ein unschuldiges Kind vom Spielplatz genommen wurde. Wie fühlten Sie sich danach? Waren das normale Gefühle danach?
Ted: Ich kann darüber im Moment nicht sprechen. Es ist zu schmerzhaft. Ich wollte, ich könnte ausdrücken, wie sich diese Erfahrung anfühlt, aber es wäre mir nicht möglich, darüber zu sprechen. Ich kann nicht einmal ansatzweise verstehen, wie dieser Schmerz sein muss, den die Eltern dieser Kinder und jungen Frauen, denen ich etwas angetan habe, fühlen müssen. Ich kann nicht viel wieder gut machen, wenn überhaupt etwas. Ich würde nicht so tun als ob und ich erwarte schon gar nicht, dass sie mir vergeben. Ich bitte auch nicht darum. Diese Art der Vergebung kann man nur aus Gott geben; wenn sie dies können, können sie es, wenn nicht, dann finden sie sie möglicherweise eines Tages.
JCD: Verdienen Sie die Strafe, die der Staat Ihnen auferlegt hat?
Ted: Das ist eine gute Frage. Ich möchte nicht sterben; das ist kein Scherz. Ich verdiene wirklich die härteste Strafe, die eine Gesellschaft geben kann. Und ich denke, die Gesellschaft muss beschützt werden vor mir und anderen wie mir. Das steht ausser Frage. Ich hoffe allerdings, dass aus unserer Diskussion hervorkommt, dass ich denke, die Gesellschaft verdient es, vor sich selber geschützt zu werden. Wie wir besprochen haben, es gibt Kräfte, die in diesem Land freigelassen sind - vor allem diese Art von gewalttätiger Pornographie - wo einerseits wohlmeinende Menschen das Verhalten eines Ted Bundy verurteilen, während sie andererseits an einem Zeitschriftenregal vorbeilaufen, das voll ist von genau den Dingen, die junge Kinder dahin bringen, zu Ted Bundys zu werden. Das ist die Ironie daran.
Ich spreche davon, weiter als die Strafe zu gehen, die die Leute mir geben wollen. Es gibt keinen anderen Weg, diese wunderbaren Kindern den Eltern zurückzugeben und ihren Schmerz zu besänftigen und beheben, als dass ich getötet werde. Aber da sind viele andere Kinder, die in der Strassen dieses Landes heute spielen und morgen oder übermorgen tot sein werden, weil andere junge Menschen diese Dinge lesen und sehen, die heutzutage in den Medien verfügbar sind.
JCD: Da draussen herrscht ein unglaublicher Zynismus über Sie, würde ich vermuten. Ich bin nicht sicher, ob es überhaupt etwas gibt, das Sie sagen könnten und das die Leute glauben würden, nichtsdestotrotz haben Sie mir gesagt (und ich hörte dies auch durch unseren gemeinsamen Freund John Tanner), dass Sie die Vergebung durch Jesus Christus angenommen haben und nun an Ihn glauben und Ihm nachfolgen. Gibt Ihnen das Kraft jetzt, da Sie sich Ihren letzten Stunden nähern?
Ted: Ja, das gibt es. Ich kann nicht sagen, im Tal der Todesschatten zu sein, ist etwas, an das ich mich gewöhnt hätte und dass ich stark sei und nichts mich beunruhigen würde. Es ist kein Vergnügen. Man wird einsam, doch muss ich mir sagen, dass jeder von uns früher oder später diesen Weg gehen wird.
JCD: Es ist dem Menschen bestimmt.
Ted: Unzählige Millionen von Menschen, die vor uns auf dieser Erde gewandelt sind, sind schon da durch gegangen, so ist es eine Erfahrung, die wir alle gemeinsam haben.
Ted Bundy was executed at 7:15 am the day after this conversation was recorded.
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